Im Juli 2025 fand im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Weilimdorf eine besondere Veranstaltung statt, die das interreligiöse Verständnis förderte. Die Referentin Sarah Prais führte die rund 12 bis 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus einem weiten Einzugsgebiet – von Hemmingen bis Filderstadt – in die jüdische Auslegung der Segensworte Gottes ein, insbesondere im Kontext der Figuren Noah, Abraham und Jakob.

Es wurde nicht nur an den biblischen Texten gearbeitet, sondern auch koschere Snacks angeboten. Danke an das Team des Erwachsenenbildungsauschuss!
Sarah Prais, Judaistin und Germanistin, hat in einem Blitzlicht zwischen Bibeltext, Talmud und jüdisch-arabischer Bibelauslegung Einblicke in eine neu Welt ermöglicht. Besonders anschaulich erklärte sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wurzeln des hebräischen Wortes „Brecha“. Für Nicht-Hebräischsprecher wurde erläutert, dass „Brecha“ nicht nur „Segen“ bedeutet, sondern auch eine Art „Quelle des Lebens“ oder „Brunnen“, der das Leben fließt. Deswegen klingt auch im Modernherbräischen das Wort für Segen und Swimmingpool. Segen meint also schon von der Wortwurzel her eine Kraft, die das Leben nährt und erhält. Segen kommt von Gott, aber welche Rolle spielt der Mensch dabei? Wem gilt Segen? Der Bibeltext deutet immer an: Denen, die besonders schutzbedürftig sind. Aber wozu braucht es Menschen beim Segnen? Vielleicht wollte Gott, den Kontakt zwischen seinen Geschöpfen. Schon das ist ein Segen. Aber kein Bibelwort ist ohne Interpretation zu verstehen.

Im weiteren Verlauf wurden die Geschichten von Noah, Abraham und Jakob lebendig dargestellt. Sarah Prais erläuterte, dass in der jüdischen Tradition die Segensworte an diese Figuren nicht nur als historische Gestalten verstanden werden.Besonders die Verbindung zwischen den Segensworten und den jeweiligen Lebenswegen der Figuren wurde anschaulich gemacht. Dabei wurde deutlich, dass der Segen der Erzväter in der jüdischen Auslegung auf den Gott der gesamten Menschheit verweist.
Die rege Fragerunde zeigte das große Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es wurden vielfältige Fragen gestellt, etwa zur praktischen Bedeutung des Segens in der heutigen jüdischen Gemeinschaft, zur Bedeutung des hebräischen Wortes „Brecha“ im Alltag oder zur Nutzung des Verständnisses des Segens im interreligiösen Dialog. Sarah Prais beantwortete die Fragen geduldig und ausführlich und mit viel Humor. Immer wieder widerlegte sie Klischees, denen sie begegnet. Sie lebt die jüdische Orthodoxie, aber sie versteht ihren Glauben zugleich als weltoffen und tolerant. Die Einbindung der koscheren Snacks trug dazu bei, die Verbindung zur jüdischen Kultur noch greifbarer zu machen.
Pfarrer Dr. Sebastian Molter
