Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein (1. Mose 12,2). Am Anfang war die Sehnsucht. Nach Sinn, nach Erfüllung, nach göttlichem Segen. In meinem Leben. Und dann – mitten im Leben – auch in meinem Berufsleben.
Zweieinhalb Jahre Zweitstudium Theologie und nochmal so lang Vikariat später nimmt der Segen konkrete Konturen an. Am 19. Juli 2026 um 11 Uhr werde ich als Pfarrerin in der Oswaldkirche gesegnet. Oder kirchlich gesagt „ordiniert“. Ein Traum geht in Erfüllung. Nein, dieser Beruf ist sogar noch erfüllender, als ich es mir erträumt hätte. Und ich habe berufsbiographische Vergleichspunkte 😊.
Gesegnet sein, Segen sein. Wenn ich Segen mit Worten beschreiben müsste, wäre es so etwas wie ein fließendes göttliches Licht. Das um die leuchtet, die gesegnet werden. Und auch die umhüllt, die segnen. Dann sind alle durchlichtet und durchleuchtet, das göttliche Licht strahlt in uns und aus uns heraus. Himmel und Erde werden eins.
Ich kann mich noch sehr genau an meine ersten Segensmomente im Vikariat erinnern. Der Segen am Ende meines allerersten Gottesdienstes. Die erste Taufe, erste Konfirmation, erste Trauung, erste Bestattung. Alles hat seine Zeit, hat seine Qualität. Und da ist so viel Segen. Auch noch beim zehnten und sicher auch noch beim hundertsten Mal. Mit dem Segen ist es wie mit der Liebe, die mehr wird, wenn man sie teilt.
Diesen segensreichen Weg sind viele mit mir gegangen. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Ein ganz besonderer Segen war mein Ausbildungspfarrer. Lieber André, Deine überaus vertrauensvolle und wertschätzende Wegbegleitung war ein riesiges Geschenk! Immer zur rechten Zeit warst Du mir Anker oder Wind in den Segeln. Mit einer perfekten Mischung aus Unterstützung und Gestaltungsfreiheit hast Du mir den Raum gegeben, mich zu entfalten und zu wachsen. Dafür danke ich Dir aus tiefstem Herzen!
Für ein Vikariat braucht es natürlich auch den Segen der Gemeinde. Und den habe ich von der ersten Sekunde an gespürt – in Gesprächen, in Gesten, im gemeinsamen Schwingen. Ihr habt mich so herzlich und mit offenen Armen bei Euch aufgenommen, dass es mich immer noch und immer wieder tief berührt.
Überaus wertvollen Segen habe ich auch erlebt von allen KollegInnen, Haupt- und Ehrenamtlichen, der Dekanin, dem Schuldekan, dem Schulkollegium an der Neuwirtshausschule, den Tutoren meiner Praktikumsphase und meinem Netzwerk von VikarInnen und KollegInnen im Kirchenkreis und darüber hinaus.
Und natürlich wären solche Lebensum- und aufbrüche nicht denkbar ohne einen riesigen Segensschatz: Familie und FreundInnen. Ihr habt mich durch diese ganz besondere Zeit getragen. Mir während der vielen Prüfungen und Pfarrseminarwochen den Rücken freigehalten. Seid mit mir durch den Wald gezogen, habt für mich gekocht. Habt viele Abende, Wochenenden, ganze Wochen ohne mich verbracht. Denn Segen kann auch Entbehrungen mit sich bringen. Alles hat seine Zeit.
Doch jetzt ist die Zeit zu lachen und zu tanzen. Deshalb möchte ich Euch und Sie alle einladen, meine Ordination mit mir zu feiern! Am 19. Juli um 11:00 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Oswaldkirche, danach mit Empfang vor der Kirche und Feier im Waldheim (bitte bis 19.6. fürs Waldheim anmelden: maren.louchet@elkw.de und gerne Fingerfood statt Geschenke mitbringen!). Ich freu mich auf ein Fest des Lebens und des Segens! Denn Gott spricht: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.
Vikarin Maren Louchet
Ordination
Die Ordination in den Pfarrdienst der Evangelischen Landeskirche entspricht der Priesterweihe der Römisch-Katholischen Kirche. Nach erfolgreichem Theologiestudium (ca. sechs Jahre) und Vikariat (zweieinhalb Jahre) erfolgt die Ordination als lebenslange Beauftragung und Sendung in den pfarramtlichen Dienst der Verkündigung des Evangeliums und Verwaltung der Sakramente (Hlg. Taufe und Hlg. Abendmahl). Dabei legt der/die angehende Pfarrer/-in das „Ordinationsgelübde“ ab und wird in der Regel vom zuständigen Dekan bzw. der zuständigen Dekanin für den lebenslangen Dienst in der württembergischen Landeskirche eingesegnet. Die Ordination ist wechselseitig innerhalb der gesamten Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und darüber hinaus z. B. im Lutherischen Weltbund (LWB) anerkannt. Im Unterschied zur einmaligen Ordination erfolgt dann für jede konkrete Pfarrstelle beim Stellenantritt eine Investitur, also eine Einsegnung für den Dienst eines Pfarrers bzw. einer Pfarrerin auf einer konkreten Pfarrstelle. Es ist sicherlich ein sehr seltenes Ereignis für eine Kirchengemeinde, vor Ort eine Ordination feiern zu dürfen. Umso schöner ist es, dass unsere Vikarin Maren Louchet am 19. Juli 2026 um 11 Uhr in der Weilimdorfer Oswaldkirche im Gottesdienst von Dekanin Dangelmaier-Vinçon ordiniert wird. Dabei dürfen wir auch gespannt sein zu erfahren, wohin es Pfarrerin Louchet dann auf ihre erste sog. „unständige“ Pfarrstelle nach dem Vikariat verschlägt. Liebe Maren, es war mir eine große Freude, Dich als Ausbildungspfarrer in Deinem Vikariat zu begleiten. Du warst und bist für unsere Kirchengemeinde und mich persönlich eine absolute Bereicherung. Gottes Segen und Geleit wünsche ich Dir für Deinen pfarramtlichen Dienst und auch darüber hinaus in Deinem Leben ohne Talar und Beffchen.
Pfarrer André Bohnet

