
Passt so viel Segen eigentlich in einen einzigen Tag? Die klare Antwort lautet JA! Segensreicher hätte ich mir meine Ordination als evangelische Pfarrerin der württembergischen Landeskirche am 19. Juli 2026 tatsächlich nicht erträumen können!
Der Festgottesdienst begann um 11:00 Uhr in der Oswaldkirche, doch schon viel früher sind wohlige Streicherklänge aus der Kirche zu hören, fleißige Hände liebevoll am Werkeln für den Empfang und zahlreiche Gottesdienstbesuchende am Begrüßen und Plätze suchen. Die werden langsam knapp, sodass die Empore geöffnet werden muss. Ein Anblick fast wie an Weihnachten – nur mit einem etwas gemischteren „Publikum“ aus Gemeinde, Familie, FreundInnen und WegbegleiterInnen von nah und fern, aus allen Bereichen und Phasen meines Lebens. Ein einziger Segen!

Ein besonderer Segen ist dann der Festgottesdienst. Orgel und Streichensemble schmücken die Liturgie mit festlichen Klängen. Die „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach erklingt und wird als Leitmotiv in den Predigten der Ordinandin Maren Louchet und der Ordinatorin – der Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon – aufgenommen. So gleicht der Aufbruch von Abraham und Sarah unter Gottes Segen einer neuen „Lebensfuge“, zu der wir Menschen immer wieder eingeladen sind unter Gottes Segen. Dabei zieht sich der göttliche Segen wie das Grundthema einer Fuge durch unser Leben.
Mannigfaltig wird mir dann im Verlauf des Gottesdienstes dieser Segen auch persönlich zugesprochen. Zuerst von der Dekanin, dann von meinen drei OrdinationszeugInnen Christine Uzler, Pfarrerin Valerie Sebert und Pfarrer Dr. André Bohnet. Tief berührende Momente, die sich für immer in mein Herz einschreiben. Und alles spürbar getragen und von Herzen begleitet von der ganzen Festgemeinde.
Den nachfolgenden Empfang vor der Kirche bei schönstem Sonnenschein verbringe ich mit Entgegennehmen von Glückwünschen und ersten Geschenken, während der Posaunenchor uns beglückt. Noch selten habe ich so viele innige, fröhlich-mitfreuende Umarmungen in so kurzer Zeit geschenkt bekommen wie bei diesem Empfang! Wenn das kein Segen ist…
Nach einem ganz besonderen Segensmoment in der inzwischen fast leeren Kirche startet eines der für mich wunderbarsten Feste meines Lebens im Waldheim. Bunt und fröhlich und festlich ist das Treiben unter pink-orangenen Wimpeln und Lampions, die tags zuvor von lieben Menschen aufgehängt wurden. Und genauso fleißig sind die Küchenfeen am Werk und zaubern Hunderte von Maultaschenburgern in die Tüten der Gäste. Das Mitbring-Büffet könnte vielfältiger und reichhaltiger nicht sein und reicht bis tief in die Nacht. Der Luftballonkünstler zaubert Lächeln in die Gesichter von jung und alt. Und der sporadisch aufgebaute Geschenketisch biegt sich unter sooo vielen schönen Gaben – 1000 Dank auch dafür!
Ein außergewöhnlich kreativ-künstlerischer Segenshöhepunkt ist der „Pfarrerinnen-Song“: „Schön ist es, Pfarrerin zu sein“ nach dem bekannten Schlager „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ von Roy Black. Umgeschrieben von den zwei Feuerbacher Pfarrpersonen und mitreißend performed, gespielt, gesungen von weiteren KollegInnen.
Gegen Abend verwandelt sich ein Teil der großen Terrasse dann in eine Tanzfläche unter freiem Himmel. Wir tanzen bis die Sterne funkeln. Tanzen ist ein Segen, der Menschen befreit und verbindet! Und so gipfelt die schon tagsüber spürbare Offenheit und Freude der Besuchenden aus unterschiedlichsten Settings in ein Gemeinschafts-Tanzwunder voll Energie und Zusammenhalt. Es scheint keine Grenzen zwischen den Menschen mehr zu geben – mein ganzes Leben verdichtet sich an diesem einen Tag, in diesem Moment des Tanzes. Unvergesslich!
Und als wäre das nicht der ultimative Segen klingt dieser einzigartige Tag bei einem großen Feuer, Stockbrot und guten Gesprächen aus. Es wird langsam kühl, wir rücken zusammen, im Saal wird noch das Finale der Fußball-WM geschaut. Und ich schaue auf dieses Leben und diesen Tag voller Segen zurück und strahle vor Dankbarkeit in die Nacht hinein. JA, es passte tatsächlich so unendlich viel Segen in diesen einen Tag!!! Dank Euch allen!!! Ich werde ein Leben lang davon zehren!!!
Eure Pfarrerin Maren Louchet


