
Nach 18 Jahren heißt es für mich und meine Familie, von Weilimdorf Abschied zu nehmen: Abschied von der Gemeinde, der wir uns zugehörig fühlen, Abschied von so vielen Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, Abschied von den vielfältigen Aufgaben als Pfarrerin, die mich herausforderten und erfüllt haben, Abschied vom Zuhause, in dem unsere beiden Töchter aufgewachsen und volljährig geworden sind.
Die Gefühle, die sich mit diesem Abschied verbinden, sind ambivalent. Natürlich ist da die erwartungsvolle Vorfreude, sich im Ruhestand leichter zu fühlen und Dinge zu tun, für die bisher kein Freiraum da war. Ich bin gespannt darauf, mich neu kennenzulernen – als Mensch, von dem viel Verantwortung und auch Druck abfällt. Doch mache ich mir auch Sorgen, wie es mit der Gemeinde angesichts der Einsparungen weitergeht, ob unsere Kirche die Kraft haben wird, für ihre wunderbare Botschaft vielfältige Formen zu finden, mit denen sie die Menschen erreichen kann.
Zugleich bin ich zuversichtlich, dass das gelingt – weil es neben den Pfarrer*innen so viele engagierte Menschen in der Gemeinde gibt, die mitdenken, kreativ sind, mit Lust dabei sind, neue Ideen einbringen und sie auch umsetzen. So oft habe ich gespürt, was wir in dem Lied besingen: „Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist!“. Schöne Gottesdienste miteinander zu feiern ist eine wohltuende Unterbrechung unseres Alltags und beglückt hat es mich, wenn Menschen sich in der Gemeinde beheimatet haben, weil sie herzlich aufgenommen wurden und sich in der offenen Atmosphäre wohlfühlten.
In unserer krisenhaften Zeit ist ein großer Schatz, wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen, Gemeinschaft pflegen, miteinander essen, sich über Gott und die Welt austauschen, aneinander Anteil nehmen und füreinander da sind. Wir können den Frieden leben und hoffen, dass das ansteckend ist!
An dieser Stelle möchte ich allen herzlich DANKE sagen, die mich in meinen Weilimdorfer Jahren begleitet haben und die ich als Pfarrerin begleiten durfte:
Den Kirchengemeinderät*innen samt Vorsitzenden danke ich für das Vertrauen, von dem das gemeinsame Tun geprägt war, für die Augenhöhe, auf der wir einander begegneten, für das sich Verantwortlichfühlen und die Fürsorge für die Gemeinde – auch in der Coronazeit -, für den Freiraum, mit dem wir zusammen Dinge ausprobieren konnten, für das Verständnis, wenn meine Kraft auch Grenzen hatte, für jede Unterstützung und jedes begleitende Gebet, für Wertschätzung und konstruktive Kritik, für Herzenswärme!
Den Kolleg*innen im Pfarramt danke ich für alles, was wir in guter Zusammenarbeit miteinander meistern konnten, und für die Toleranz, manches auch anders zu machen. Ich wünsche meinen Kolleg*innen, dass sie trotz anderer Rahmenbedingungen und reduzierter Pfarrstellen ihren Beruf mit Freude ausfüllen können.
Den Sekretärinnen und Mitarbeitenden der Verwaltung danke ich für alles, was sie im Hintergrund für die Gemeinde tun und womit sie die Pfarrpersonen entlasten.
Den Täuflingen und ihren Eltern danke ich, dass ihnen Gottes Begleitung im Leben etwas bedeutet und sie sich in jeweils eigener Weise unserer Kirche zugehörig fühlen.
Den Erzieher*innen und Kindern des Kindergartens danke ich für ihr Interesse an biblischen Geschichten und gemeinsame, auch „salbungsvolle“ Gottesdienste sowie für gute Nachbarschaft und fröhlichen Kindertrubel im Hof und Garten.
Den Kindern und den Teamer*innen der Kinderbibeltage, der Kinderkirche und des Krippenspiels danke ich für ihr begeistertes Mitmachen und für quicklebendige Familiengottesdienste. Gut, dass Kinder und Familien in der Gemeinde ihren Platz haben!
Den Schüler*innen im Solitude-Gymnasium danke ich für spannende Unterrichtsgespräche und gemeinsames Singen zur Gitarre.
Den Konfis danke ich für ihre Offenheit, sich mit Fragen des Glaubens zu beschäftigen, ihre Bereitschaft, einander in der Gruppe zu respektieren und für ihr tolles Engagement im Konfipraktikum.
Den Konfi-Teamer*innen danke ich für die wunderbaren entspannten Konfi-Wochenenden, die sie mit so viel Selbstständigkeit und Spaß maßgeblich mitgestaltet haben und bei denen sich alle wohlfühlen konnten.
Danken möchte ich auch dem Team der Mobilen Jugendarbeit in Weilimdorf für die anregende und gute Zusammenarbeit. Gut, dass es sie gibt!
Den Brautpaaren danke ich, dass sie für die Nachhaltigkeit ihrer Liebe von Gott etwas erwarten und sich kirchlich trauen ließen.
Den Angehörigen der Verstorbenen möchte ich danken, dass sie mir deren Lebensgeschichte mit allen schönen und schwierigen Seiten anvertraut und mich auf diese Weise so reich beschenkt haben.
Den Gottesdienstbesucher*innen danke ich für ihre Wertschätzung des Sonntags als ein besonderes Geschenk Gottes an uns, für ihre Bereitschaft, immer wieder neue Lieder zu lernen und im Kanon zu singen, für ihre Geduld, den nicht immer kurzen Predigten zuzuhören, für die konzentrierte Atmosphäre, in der auch mal gelacht werden darf, für ihre Aufgeschlossenheit, unterschiedliche Gottesdienstformate zu erleben
und die besondere Gemeinschaft, die wir beim Feiern miteinander genossen haben. Und ich danke auch unseren vielfältigen Musikgruppen und ehrenamtlichen Teams, die viele Gottesdienste auf besondere Weise mitgestalteten.
Allen Menschen, die mir die Tür geöffnet und sich auf einen Besuch der Pfarrerin eingelassen haben, auch wenn sie mich noch nicht kannten, möchte ich danken. Und an dieser Stelle auch den Mitarbeiter*innen des Besuchsdienstes und des Seniorentreffs sowie dem Team des adventlichen Nachmittags, die unseren Senior*innen ihre Zeit schenken.
Ich danke für anregende Bibelgespräche und das gemeinsame Nachdenken über Themen, die uns als Christen und Christinnen in der Welt bewegen (sollten) – bei Vorträgen, Diskussionen, Tagungen und als Teil des Kirchentags.
Und genauso danke ich für fröhliche Feste, Tischgemeinschaft und so viele weitere wertvolle Begegnungen und Gespräche!
Wenn ich selbst etwas versäumt habe, jemandem nicht gerecht geworden oder jemanden verletzt habe, bitte ich darum, es mir zu verzeihen. Auch ich möchte niemandem etwas nachtragen.
Hinter allem, wofür ich zu danken habe, stecken Menschen, die sich für andere und für die Gemeinschaft engagieren. Ohne euch Menschen im Ehrenamt wäre die Welt arm!
Ich wünsche der Gemeinde, dass in ihrem bunten Garten weiterhin vieles wachsen und blühen darf. Dass die Gärtner und Gärtnerinnen Freude daran haben, etwas zu säen und die Pflänzchen liebevoll zu pflegen, damit sie gedeihen können.
Ihr seid Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! In der Gemeinde und überall da, wo ihr lebt, arbeitet füreinander da seid. Möge Gottes guter Geist unter euch spürbar bleiben, eure Gemeinschaft stärken und euch dazu ermutigen, in Weilimdorf als Kirche und als „Salz der Erde“ wirksam zu sein!
Ich freue mich über alle, die anlässlich meiner Verabschiedung am 12. Juli um 11.00 Uhr zum Gottesdienst ins Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum kommen. Bis Anfang September bin ich aber noch im Dienst. Nach meinem Urlaub, in dem die Umzugskisten gepackt werden müssen, werde ich dann nahtlos in den Ruhestand „gleiten“ – oder doch eher purzeln?
Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin, die bald Ade sagt. Bleiben Sie an Leib und Seele behütet!
Dorothea Kik
